Donnerstag, 20. Oktober 2016

INTERVIEW MIT ASSAD - beschreibt ausführlich die Situation und ist sehr informativ - Gratulation

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„Komsomolskaja Prawda“: Vielen Dank, Herr Präsident. Für mich eine große Ehre und Freude, Sie zu treffen… die Situation in Syrien wird immer gefährlicher und unberechenbarer. In den Konflikt zieht es immer mehr Teilnehmer und Spieler. Zum Beispiel, wer kämpft jetzt in Syrien? Iran, Libanon (ich meine die Hisbolla), Russland , Türkei,und eine Koalition von Willigen unter Führung der USA. China zeigt sein Interesse. Sind Sie nicht beunruhigt, dass dieser Konflikt in einen Dritten Weltkrieg eskalieren kann? Oder ist es bereits der Beginn des Dritten Weltkriegs?
Bashar Al-Assad: Erstens, wenn man über ein Problem spricht, dann muss man über die Quelle des Problems reden: Das ist der Terrorismus. Egal, wer sich jetzt in die syrischen Angelegenheiten einmischt. Das Wichtigste ist, wer unterstützt die Terroristen täglich und stündlich? Das ist das Hauptproblem. Wenn wir dieses Rätsel lösen, dann wird dieses komplizierte Muster, wie Sie es beschrieben haben, an Bedeutung verlieren. Wir können dieses Problem lösen. Weil: Die Frage besteht nicht darin, welche Länder mischen sich jetzt in die Angelegenheiten des Landes ein, sondern darin, welche Länder unterstützen die Terroristen? Weil Russland, Iran und Hisbolla sind unsere ständigen Verbündeten und sie sind hier auf legaler Basis. Sie kämpfen gegen Terroristen, aber es gibt andere Länder, die sich gerade mit dem Ziel der Unterstützung der Terroristen einmischen. Deswegen liegt die Hauptfrage nicht in der Anzahl der Spieler sondern die wichtigste Frage ist, wer von denen den Terrorismus unterstützt.
Zweitens, bezüglich des Dritten Weltkriegs. Dieser Begriff wird häufig verwendet – vor allem nach der jüngsten Eskalation über die Lage in Syrien. Heute erleben wir eine Situation, die dem kalten Krieg ähnelt. Das ist etwas, was erst vor kurzem begann, deswegen denke ich, dass der Westen und insbesondere die USA mit dem kalten Krieg gar nicht aufgehört haben, auch nicht nach dem Zusammenbruch der UdSSR.
„Komsomolskaja Prawda“: Ja, er geht weiter.
Bashar Al-Assad: Es gibt viele politische Szenen in diesem Prozess, und Syrien ist eine der wichtigsten. Wir sehen eine Eskalation des Konflikts, aber das wichtigste gegnerische Ziel ist die Erhaltung der amerikanischen Hegemonie über die Welt, nicht zuzulassen, dass irgendjemand einen Partner dagegen auf der politischen oder der internationalen Bühne sucht und findet, sei es Russland oder sogar US-Verbündete im Westen. Deshalb liegt der Geruch des Krieges, den Sie beschreiben, der eines Dritten Weltkrieges, geradezu in der Luft, aber es ist noch keine direkte militärische Konfrontation. Obwohl es hat bereits militärische, terroristische und politische Komponenten. Sie haben also Recht in ihrem Vermutung, aber Syrien ist nur ein Teil dieses Krieges.
„Komsomolskaja Prawda“: Aber Sie sagten, dass Syrien ist zu einem wichtigen Schauplatz dieses Krieges geworden sei. Es ist klar, Syrien ist ein großes Land, Sie haben Öl, aber Sie sind doch nicht ein Global-Player wie Saudi-Arabien. Warum gerade Syrien?

Bashar Al-Assad: Hier gibt es viele Aspekte. Wenn wir über den regionalen Konflikt reden, so hat Syrien gute Beziehungen mit dem Iran, Saudi-Arabien jedoch will den Iran komplett zerstören in jeder Hinsicht und aus verschiedenen Gründen. Deshalb wollen sie, dass Syrien sich mit dem Rücken zum Iran dreht. Weil die Zerstörung Syriens negative Auswirkungen auf den Iran haben wird. Ich sehe es so. Der Westen, der die langjährige Zusammenarbeit zwischen Russland und Syrien beobachtet, setzt darauf, dass die Zerstörung Syriens einen ebenfalls negativen Einfluss auf Russland nehmen kann.
Aber es gibt noch etwas: Die historische Rolle Syriens nämlich. Seit Jahrhunderten war und ist Syrien die Quelle der geopolitischen Dynamik im Nahen Osten. Daher war die Kontrolle über Syrien schon in der Zeit der Pharaonen (noch vor Christi) äußerst bedeutend. Für Syrien wurde es geradezu gewöhnlich, stets zu kämpfen – gegen die Pharaonen, gegen die Hethiter. . .
Es ist eine historische Erfahrung. So hat Syrien eine gute strategische Lage am Mittelmeer und hier verläuft die Trennlinie zwischen verschiedenen Kulturen. Deshalb ist eine Kontrolle über Syrien wichtig für die Kontrolle über die gesamte Region.
Und dann tritt Syrien auf als ein unabhängiges Land aber der Westen akzeptiert niemals die Unabhängigkeit von Ländern, egal ob es das kleine Syrien oder das große Russland ist…
Was haben sie denn für Probleme mit Russland? Denn das schützt doch nur sein Recht „Ja“ oder „Nein“ sagen zu können. Aber der Westen will, dass alle ihm ständig zustimmen. Das gleiche Problem hat also Syrien mit „dem Westen“.
„Komsomolskaja Prawda“: Einige westliche Medien behaupten, dass der Krieg in Syrien zu einem direkten Konflikt zwischen Russland und den USA geworden ist. Würden Sie dem zustimmen?
Bashar Al-Assad: Ja, aus einem einfachen Grund. Als ich am Anfang sagte, dass das Problem im Terrorismus liegt, meinte ich folgendes. Russland will den Terrorismus bekämpfen, nicht nur wegen Syrien und nicht nur wegen Russland. Sie kämpfen für die ganze Region, für ganz Europa und für die ganze Welt. Die Russen verstehen, dass der Terrorismus stetig wächst, seitdem die Amerikaner sich seit dem Krieg in Afghanistan in den frühen Achtzigern bis zum heutigen Tage sicher sind, dass der Terrorismus eine Trumpfkarte ist, die sie jederzeit auf den Tisch werfen können. Sie können sie in der Tasche behalten oder sie, wenn es ihnen notwendig scheint, ziehen. Deshalb sprechen wir hier von verschiedenen Ideologien, über verschiedene Ansätze. Deshalb ist der russisch-amerikanische Konflikt ein ganz natürlicher. Selbst wenn es einen Dialog zwischen USA und Russland gibt, sprechen sie über absolut verschiedene Dinge.
„Komsomolskaja Prawda“: In der Region entstand ein neuer Spieler. Was ist Ihre Meinung über die Rolle der Türkei in diesem Krieg?
Bashar Al-Assad: Die Türken behaupten, dass sie durch ihre Bombardierungen, Truppen und lokalen gemäßigten Kräften den ISIS bekämpft hätten. In der Tat übergeben sie jedoch einfach die Kontrolle über das Gebiet an jene Kräften, die sie zuvor selbst aufgebaut haben.


„Komsomolskaja Prawda“: Kann Russland mit der Türkei zusammenarbeiten?
Bashar Al-Assad: Die russisch-türkischen Beziehungen sehe ich positiv. Obwohl Russland und die Türkei unterschiedliche Ansichten und unterschiedliche Positionen haben . Russland gründet seine Politik auf dem Völkerrecht, auf der Achtung der Souveränität anderer Länder und dem Bewusstsein der Gefahr der Ausbreitung von Terrorismus in der ganzen Welt. Die türkische Seite jedoch respektiert nicht die Souveränität Syriens und sie unterstützt die Terroristen. Wir sehen hier zwei verschiedene Pole die einander vielfach widersprechen. Aber durch diese neue Annäherung zwischen der Türkei und Russland ist unsere einzige Hoffnung, dass Russland in der Lage wird, die türkische Politik zu beeinflussen und zu verändern. Und ich bin sicher, dass das erste Ziel der russischen Diplomatie in Bezug auf die Türkei in diesen Tagen der Wunsch ist, die Schäden zu verringern, die durch die Türkei in Syrien entstehen könnten. Ich hoffe, dass die Russen in der Lage, sie zu überzeugen, die Unterstützung der Terroristen und den Fluss von Geld und Söldnern über die türkische Grenze zu stoppen. Ich denke, das ist die Weisheit der russischen Regierung, weil die gute Beziehungen mit dem türkischen Volk wollen. Und das ist völlig richtig.
„Komsomolskaja Prawda“: Für mich ist sehr seltsam, dass der ISIS mit seiner Ideologie nie Israel bedroht und Israel nie den ISIS bedroht. Es sieht aus wie eine Vereinbarung zwischen ihnen… Vielleicht ist es keine Freundschaft, sondern Neutralität. Warum ist das so? Und was ist Israels Rolle in diesem Krieg?
Bashar Al-Assad: Nicht nur der ISIS, nicht nur die Al-Nusra-Front, sondern jeder Terrorist mit einer Waffe in der Hand, die Syrien tötet und zerstört, wird von Israel unterstützt. Manchmal tut Israel dies indirekt, indem es geheime Informationen an die Terroristen liefert; manchmal durch direkte Intervention wenn er auf die Positionen der syrischen Armee einschlägt. Warum? Weil Israel in Syrien einen Feind sieht.
Und für sie erscheint jede Schwächung des Staates, der Armee und der Gesellschaft Syriens als hilfreich und behindert somit den Friedensprozess voranzubringen. Der Preis den sie zahlen müssen ist die Rückgabe der von ihnen besetzten Golan-Höhen. Also für Israel ist es so: Wenn Syrien sich sich mit etwas Anderem beschäftigt, kann es sich nicht dem Problem der Golanhöhen beschäftigen. Syrien kann nichts tun, um sein Land zurückzubekommen. Und deshalb unterstützt Israel jeden Terroristen gegen und in Syrien und es gibt keine Widersprüche zwischen Israel und solchen Organisationen wie Al-Nusra, ISIS oder mit jeder Gruppierung, die in Zusammenhang mit Al-Qaida steht.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich bereiste Syrien. Ihre Armee ist ausgeblutet, das ist offensichtlich. Aber andererseits, wenn ich die Cafés in Damaskus sehe, gefüllt mit jungen Männern die dort am Morgen ihren Kaffee trinken, fragte ich: Wer sind diese junge Männer? Es wurde mir gesagt, es seien die Studenten. Danach sehe ich Fitness-Center mit jungen Männern, die dort ihre Muskeln zeigen. Was machen sie hier? Schicken Sie doch einfach alle an die Front! Ich verstehe nicht, warum es keine Generalmobilmachung gibt, wie zum Beispiel Russland im Großen Vaterländischen Krieg machte.


Bashar Al-Assad: Wir haben jetzt eine nur teilweise Mobilmachung. Warum teilweise? Weil die Allgemeine Mobilmachung bedeutet, dass Jeder kämpfen gehen sollte. Dies bedeutete: Keine Studenten mehr, keine Professoren an den Universitäten, keine Lehrer in den Schulen, keine Arbeiter in den Fabriken, keine Bauarbeiter und Fahrer und absolut alle müssten nur für die Regierung und das Militär arbeiten. Alles wird ausschließlich Bestandteil des Krieges. So etwas wäre normal, wenn der Krieg ein paar Wochen oder ein paar Monate dauern würde, aber für diesen Krieg, die nun schon seit sechs Jahren andauert, hieße das Lähmung der Gesellschaft und Lähmung des Landes. Sie können einen Krieg mit einer gelähmten Gesellschaft nicht gewinnen. Und deshalb muss man eine Balance zwischen dem Krieg und den grundlegenden Bedürfnissen der Gesellschaft erhalten und ihren Universitäten, Krankenhäusern und sozialen Diensten. Deshalb ist aus unserer Sicht ein solches Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung.
„Komsomolskaja Prawda“: Obwohl ich nicht Arabisch verstehe, aber wenn ich ihr Fernsehen schaue, scheint mir dass in diesem Land Frieden herrscht. Sehr wenig wird über den Krieg gesagt. Es gibt Sportsendungen, Babysendungen, Sendungen für Schüler. Ich sage zu mir selbst: „Oh Gott! Ich höre Explosionen in der Stadt, aber sie tun so als ob nichts geschieht“. Ich denke, das ist zu viel. Wenn Sie Patriotismus in den Menschen erwecken möchten, müssen Sie ihnen doch sagen: „Jungs! Wir haben hier einen großen Krieg!“ So sollte es jedes Land tun. Ich sehe hier keinen Frieden!


Bashar Al-Assad: Unsere Medien sind nicht losgelöst von der Situation. Wir müssen das reale Leben zeigen und gleichzeitig den Menschen die Möglichkeit, einer wenn auch nicht völlig normalen Existenz aufzeigen. Wenn wir nicht weiterleben, dann werden die Terroristen uns besiegen, denn das ist ihr Ziel.
Wenn wir über den Krieg reden, der Krieg ist für uns nicht nur die Front. Krieg betrifft alle Bereiche des Lebens. Der größte Teil dieses Krieges ist nicht nur der Terrorismus. Wir haben auch einen parallelen Krieg. Es ist ein Wirtschaftskrieg. Wir stehen unter Embargo. Wir müssen alles tun, dass das Rad der Wirtschaft weiter rotieren kann. Deswegen müssen wir alle unsere Bemühungen auf das Leben richten. Denn ohne dieses normale Leben würde die gesamte Wirtschaft stoppen. Wenn alle sich in den Häusern wegen des Krieges verbergen, werden wir nichts produzieren.
„Komsomolskaja Prawda“: Warum haben Sie Russland erst im kritischen Moment um Hilfe gebeten? Als es fast alles eingestürzt und sogar Ihr Leben in Gefahr war?

Bashar Al-Assad: Die Beziehungen zwischen Syrien und Russland sind traditionell gute und sogar in der schlimmsten Zeit nach dem Zerfall der UdSSR waren sie nicht schlecht.
„Komsomolskaja Prawda“: Deswegen konnten Sie aber vielleicht doch viel früher um Hilfe bitten?
Bashar Al-Assad: Wir baten von Anfang an um Hilfe, aber die Eskalation des Konflikts erreichte erst im vergangenen Jahr ein höheres Level. Davor gewann die syrische Armee. Aber sobald unsere Gegner sahen, daß wir in Offensive gehen, wurde sofort die Zahl von Terroristen-Söldner aus dem Ausland erhöht. Es kamen immer mehr Ausländer aus verschiedenen Ländern. Aus mehr als hundert Ländern! Und Syrien ist ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerungszahl. Deswegen brauchen wir Hilfe von unseren Freunden. Zunächst intervenierten der Iran und die Hisbollah aber erst die russische Intervention, die einer Großmacht, veränderte entscheidend das Gleichgewicht der Kräfte zu unseren Gunsten. Deshalb war es für uns natürlich die Russische Föderation um Hilfe zu bitten. Die Russen hatten uns auch früher geholfen, natürlich das war nicht die Hilfe der Luftstreitkräfte, aber sie schickten uns alles! Sie versorgten uns mit notwendiger Logistik. Sie lebten sogar mit uns. Wir haben russische Militär-Experten, die seit Jahrzehnten hier leben.
Im Jahr 2014 haben die Russen konstatiert, dass die Balance sich dank der Unterstützung des Westens und anderer Länder, Saudi-Arabiens, der Türkei und Katar zugunsten der Terroristen verschob. Deshalb waren die Russen bereit für die direkte Intervention. Und wir haben Russland eingeladen. Wir vertrauen Russland und seiner Politik. Die russische Politik basiert auf Moral und nicht nur auf Interessen. Wir wissen, dass sie uns bei der Vernichtung des Terrorismus nicht deswegen unterstützen, weil sie etwas von uns wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie uns um nichts gebeten. Diese Faktoren haben die syrische Regierung und mich dazu bewogen, Russland um Hilfe zu ersuchen.
„Komsomolskaja Prawda“: Vor der sogenannten „Revolution“, da bin ich mir sicher, dass Sie Angebote von Ihren gegenwärtigen Feinde erhalten haben. Vielleicht nennen Sie ein paar Angebote. Was wollten sie von Ihnen? Ich habe gehört, dass Katar eine Gas-Pipeline durch Syrien ziehen wollte. Ist es wahr?
Bashar Al-Assad: Die Angebote begannen erst nach der Krise. Weil unsere Gegner die Krise nutzen wollten, um uns zu erpressen. Sie sagten: Falls wir das tun, was sie wollen, werden sie uns helfen.
„Komsomolskaja Prawda“: Was wollten sie denn von Ihnen?
Bashar Al-Assad: Vor dieser Krise wollten sie uns indirekt ausnutzen. Sie machten uns keine Vorschläge, sondern versuchten, uns zu überzeugen das zu tun, was Ihnen wichtig ist. Damals war das weltweite Problem das nukleare Dossier des Iran. Sie forderten, dass Syrien den Iran zum Verzicht auf seine Interessen überzeugen sollte. Frankreich forderte es und Saudi-Arabien wollte, dass wir uns ohne Erklärung vom Iran abwenden. Nur einfach so, weil sie den Iran hassen.
„Komsomolskaja Prawda“: Wollten sie wirklich eine Pipeline durch Syrien ziehen?

Bashar Al-Assad: Nein, sie haben nicht darüber gesprochen, weil in diesem Fall Syrien zu einem wichtigen Akteur in der Energiebranche geworden wäre. Die Pipeline sollte im Osten vom Iran durch den Irak und Syrien zum Mittelmeer gezogen werden. Eine andere Pipeline soll ab den Golfstaaten durch Syrien nach Europa kommen. Ich denke, dass der Westen Syrien nie erlauben würde, so einflussreich werden, weil Syrien keine westliche Marionette ist. Wir denken, dass dies einer der Faktoren des Krieges war, obwohl es nie direkt erwähnt wurde. Aber zu Beginn des Krieges dann erhielten wir ein direktes Angebot von den Saudis.
„Komsomolskaja Prawda“: Von den Saudis?!
Bashar Al-Assad: Die Saudis sagten, dass sie mir helfen werden, wenn wir uns vom Iran abgewendet und den Bruch aller Beziehungen mit dem Iran angekündigt hätten. Sehr einfach und direkt.
„Komsomolskaja Prawda“: Sie sagten in einem Interview, dass es ein schwieriger Krieg ist, weil man zwar Terroristen töten könnte, aber nicht die Ideologie dahinter. Als ich an der Front mit syrischen Offizieren sprach, haben sie mir gesagt: „Wie kann man mit einem Mann kämpfen, der keine Angst vor dem Tod hat?! Für ihn ist er Glück, denn auf ihn warten 72 Jungfrauen im Paradies. Unsere Soldaten aber sind normale Menschen, sie haben Angst vor dem Tod“. So dass also die Ideologie nicht gleich ist. Der spirituelle Geist der Terroristen ist sehr stark. Wie kann man eine solche Ideologie töten?
Bashar Al-Assad: Sie haben Recht. Wenn Sie über diese ideologischen Kämpfer oder Terroristen sprechen, die gegen unsere Armee kämpfen, dann ist die einzige Möglichkeit sie zu bekämpfen die Liquidation. Es gibt keinen anderen Weg. Sie brauchen keinen Dialog. Ja und es gibt keine Zeit für Dialog. Wir müssen unsere Bürger schützen und deshalb müssen wir die Terroristen liquidieren. Obwohl dies nicht genug. Es ist wie in einem Videospiel – sie entstehen immer wieder. Du tötest einen Terroristen und an seiner Stelle erscheinen zehn neue. Und es gibt kein Ende.
Das wichtigste auf allen Ebenen ist die Bekämpfung dieser Ideologie, die wir mit einer besseren, ebenso starken, aber mäßigeren ersetzen müssen. Es ist unmöglich gegen Radikalismus im Islam mit einer anderen Ideologie, außer der eines gemäßigten Islam zu kämpfen. Das ist der einzige Weg. Aber es braucht Zeit und Arbeit mit der neuen Generation.
Und die Hauptsache: Den Fluss des Geldes stoppen, das die Saudische Regierung, Ihre NGOs und deren Institutionen für die Förderung der Ideologie der Wahhabiten auf der ganzen Welt zahlt. Man kann nicht sagen: Ich werde diese Ideologie bekämpfen und es gleichzeitig den Scheichs und Imams erlauben, in ihren Koranschulen für diese dunkle Ideologie zu werben. Es ist unmöglich, aber genau dies geschieht im Westen.
Wir reden von der dritten und vierten Generation derjenigen Muslime, die in Europa sind, aber jetzt schicken sie uns diese Terroristen aus Europa selbst. Sie lebten nie in dieser Region, sie können Arabisch weder sprechen, geschweige denn lesen oder schreiben, haben den Koran nie gelesen, aber sie sind Extremisten, weil der Westen die Infiltration abrahamitischer Ideologie in der EU aufkommen ließ. Deshalb beschäftigen wir uns mit verschiedenen Dingen. Wir müssen mit ihrer starken Medien umgehen können, die mit Petrodollars von Saudi-Arabien und den Golfstaaten finanziert werden und die Extremismus propagieren. Was sollen wir damit tun? Es erfordert eine Menge parallelen Bemühungen. Aber es ist die einzige Möglichkeit, sie zu besiegen. Wir sind gezwungen, die Terroristen körperlich zu vernichten, auch wenn es nur ein Teil der Lösung, aber nicht die ganze Lösung ist.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich fühlte immer etwas mystisches in diesem Kampf um Damaskus, und erst danach habe ich verstanden, warum dorthin so viele Söldner kommen. Ein islamischer Theologe erklärte mir, dass sie wirklich glauben, dass in der syrischen Stadt Dabik die Apokalypse stattfinden wird, die wichtigste Schlacht zwischen „Gut“ und „Böse“. Deshalb sind sie jetzt in Bereitschaft dafür. Ich war zum Beispiel in Bosnien, und viele Fanatiker haben mir dort gesagt: „Wir fahren nach Dabik!“ Es ist ihnen ernst und ich habe keine Ahnung, wie man dagegen ankämpfen kann.


Bashar Al-Assad: Ganz richtig!
„Komsomolskaja Prawda“: Weil das eine riesige Propagandaaktion ist: „Geht nach Dabik! Geh nach Syrien!“
Bashar Al-Assad: Das ist wie ein heiliger Ort für den Kampf. Wenn du in den Himmel kommen willst, musst du durch Syrien gehen. Sterbende an einem anderen Ort kommen nicht in den Himmel. Das ist jetzt ein Teil dieser Ideologie.
„Komsomolskaja Prawda“: Sie glauben, dass wenn sie in Syrien stürben, sofort ins Paradies kämen?
Bashar Al-Assad: Sie glauben es. Zum Beispiel sind einige davon überzeugt, dass sie, wenn sie mehr Unschuldige töten, dann ein Iftar (Frühstück) mit dem Propheten im Ramadan hätten. Sie glauben daran. Sie sind totaler Gehirnwäsche derart unterzogen, so dass wir sie nicht einmal besseren Wissens beschuldigen können, sie sind einfach unwissend. Viele von ihnen sind Jugendliche. Sie werden einfach ausgenutzt. Das ist eine große propagandistische Maschine, die seit Jahrzehnten funktioniert, Gehirne wäscht, die den Extremismus in der islamischen Welt und in der muslimischen Diaspora durchsetzt.
„Komsomolskaja Prawda“: Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der russischen Hilfe im letzten Jahr?
Bashar Al-Assad: Vor der Hilfe Russlands, trotz dem, dass hier so genannte amerikanisch geführte Allianz wirkte, deren Handlungen illusorisch scheinen, wurde nichts unternommen. Der ISIS und die Al-Nusra-Front rückten näher, hatten eine große Anzahl von Kämpfern. Darüber hinaus wurde die Rekrutierung von Terroristen verstärkt. Sie bekamen immer mehr Geld vom Öl für den Export mithilfe der Türkei. Aber nach der russischen Intervention ist das Territoriums, das von Terroristen kontrolliert wurde, zunehmend geschrumpft. Die Fakten sprechen für sich. Die Russen änderten die Balance von Bodentruppen nicht zu Gunsten der Terroristen.
„Komsomolskaja Prawda“: Bezüglich der kurdischen Frage. Ich war in Kamishli, ich weiß, dass sie eine Föderation wollen als das ideale Bild des Staates. Ebenso wie in Russland, wo viele Nationalitäten sind vereint in einer Föderation. Warum kann Syrien nicht eine Föderation werden? Keiner der syrischen Kurden hat mit mir über Separatismus oder einen unabhängigen kurdischen Teilstaat gesprochen. Sie sagten: Wir wollen in Syrien bleiben, aber wir wollen Autonomie. Würden Sie dem zustimmen? Kurden sind doch gute Kämpfer gegen den ISIS.
Bashar Al-Assad: Wir müssen die verschiedenen Seiten dieser Frage klären. Erstens, wir können nicht nur mit einem Teil der Kurden sprechen ohne Berücksichtigung der Meinung allen lokalen Kurden, ebenso wie allen Armenier, Tschetschenen, Türken, Araber. Die meisten Kurden wollen keine Autonomie. Nur ein Teil von ihnen.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich meine nicht die Kurden, die in Damaskus wohnen…

Bashar Al-Assad: Ja, aber ich meine auch diejenigen, die im Norden leben. Nur ein Teil von ihnen spricht über die Autonomie. Und dann, wenn wir über Föderalismus oder jedes andere System zu reden beginnen, dann muss das ein Teil der Verfassung sein. Und die Verfassung drückt den Willen des syrischen Volkes aus. Deshalb müssen Sie, wenn sie ein besonderes politisches System in Syrien brauchen, die Syrer selbst überzeugen. Sie können das nicht nur mit mir besprechen…
„Komsomolskaja Prawda“: Meinen Sie, dass es ein Referendum braucht?
Bashar Al-Assad: Das politische System Syriens gehört nicht mir. Ein Volks-Referendum kann „Ja“ oder „Nein“ sagen. Aber, die Leute, die kurdischen Föderalismus wollen, berücksichtigen jedoch nicht , dass die Mehrheit der Bevölkerung im Norden die Araber bilden. Wie kann man überhaupt in einem solchen Fall über eine kurdische Autonomie im Norden des Landes reden?
„Komsomlskaja Prawda“: Aber sie haben Kontakte mit den Kurden?
Bashar Al-Assad: Ja, wir führen mit ihnen Verhandlungen.
„Komsomolskaja Prawda“: Sie verhandeln mit ihnen?
Bashar Al-Assad: Natürlich. Immer. Und wir unterstützten sie während des Krieges gegen den ISIS. Wir schickten die Munition und eure russische Armee kennt all diese Details.
„Komsomolskaja Prawda“: Als ich durch Ihr Land reiste, habe ich keine unbewaffnete Opposition gesehen. Ich meine, mit wem können Sie reden? Haben Sie einen echten Partner in den Verhandlungen? Oder – Mission impossible?
Bashar Al-Assad: Das ist eine sehr wichtige Frage. Aber wir müssen das Wort „Opposition“ definieren. Jetzt nutzt die ganze Welt das Wort „Opposition“ und nennt so jene Menschen, die bewaffnet sind und die anderen Menschen töten. Sie können sie nicht als Opposition benennen
„Komsomolskaja Prawda“: Ja, das ist ein Problem. Jeder hat eine Waffe. Mit wem reden?

Bashar Al-Assad: Genau. Wenn Sie über die politische Opposition sprechen wollen, natürlich haben wir eine Opposition. Im Land gibt es verschiedene politische Bewegungen und Strömungen, die großen politischen Figuren.
„Komsomolskaja Prawda“: Nennen Sie bitte ihre Namen.
Bashar Al-Assad: Wir haben politische Parteien, viele neue Personen. Auch wenn sie nicht im Parlament sitzen, wie vor der Krise aber während der Krise gab es sie. Viele. Es gibt eine ganze Liste dieser Leute. Viele von ihnen bezeichnen sich als die Opposition. Die Frage ist nicht, um mit irgendjemandem zu verhandeln, sondern mit denen, die einen realen Einfluss haben und die Situation ändern können. Nehmen wir nun an, wir hätten die Opposition versammelt, die patriotischen und nichtpatriotischen Kräfte, in Syrien und darüber hinaus, und nehmen wir an, wir hätten mit ihnen alles geklärt und besprochen. Und könnten nun sagen:
Das ist eine gute Zukunft für Syrien. Die Frage ist nur: Wer von ihnen wirkt sich auf die Aktionen der Terroristen aus? Wir alle wissen, dass die meisten dieser Terroristen zu jenen Organisationen gehören, die im Zusammenhang mit Al-Qaida, ISIS, Al-Nusra, Ahrar Al-Sham stehen. Die jedoch sind nicht politisch an sich. Sie sind nicht interessiert an jerdweder anderen Ideologie ausser der ihre, der wahhabitischen Ideologie. Dies bedeutet, dass selbst alle Verhandlungen mit der politischen Opposition die Situation nicht ändern würden. Dies ist der wichtigste Teil des Problems. Und Sie haben die richtige Frage gestellt: Mit wem von ihnen kann ich verhandeln?
„Komsomolskaja Prawda“: Ja, mit wem?
Bashar Al-Assad: Als Regierung haben wir unsere Möglichkeiten, Einfluss auf die Situation zu nehmen. Wir kämpfen gegen Terroristen. Jedoch, was kann all diese Opposition? Das ist die Frage. Und ich habe keine Antwort darauf. Sie müssen selbst sagen, was sie tun wollen und was sie tun können.
„Komsomolskaja Prawda“: Alle westlichen Medien beziehen ihre Informationen über die Situation in Syrien von einer fremden Organisation der „syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, aber ich merkte, dass diese ganze gewaltige, machtvolle Organisation aus nur einer einzigen Person besteht.


Bashar Al-Assad: Ja, das ist ein Mann, der in London lebt.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich kann es nicht verstehen. Für mich war das ein Schock. Wie können die westlichen Medien ihn als Informationsquelle nutzen?
Bashar Al-Assad: Ja, weil der Westen das so will! Er braucht keine Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Der Westen braucht irgendjemanden, der bereit ist westliche Positionen zu fördern, ihre Position. Bei den meisten Menschen im Westen ist das Gehirn gut gewaschen, sie „wissen Bescheid“ über Syrien, die Ukraine und Russland. Westler sind in der Behandlung der öffentlichen Meinung sehr erfolgreich. Gehirnwäsche ist eines ihrer Werkzeuge und nicht das einzige. Sie haben eine Vielzahl von solchen Instrumenten, wie z. B. sogenannte „Weißhelme“.
„Komsomolskaja Prawda“: Wer ist das?
Bashar Al-Assad: In Wirklichkeit sind das die Menschen, die mit der Al-Nusra zusammenarbeiten, und die auf derer Territorium sind, was unter Kontrolle von Al-Nusra ist. Wie können sie in dieser Zone arbeiten, wenn sie die Al-Nusra nicht kontrollieren? Und was wichtig ist – viele ihrer Weißhelm-Angehörigen feierten den Tod der syrischen Soldaten direkt über ihre Leichen. Es gibt Videos und Fotos dieser Barbarei.
„Komsomolskaja Prawda“: Sie meinen, als Amerika die syrische Armee bombardierte?

Bashar Al-Assad: Nicht nur, es war an verschiedenen Orten in Aleppo. In Aleppo liefen die Kämpfe und sie fotografierten sich vor dem Hintergrund der Leichen der syrischen Soldaten, die „Weißhelme“ zusammen mit Al-Nusra. Dies ist ein Versuch, das Image von Al-Nusra zu ändern unter dem neuen Namen „Weiße Helme“. Sie seien gute Menschen, die bereit sind ihr Leben zu opfern, um anderen Menschen und Kindern zu helfen. Und dieses emotionale Bild der „unschuldigen Opfer“ ist in der Lage, auf die öffentliche Meinung im Westen Einfluss zu nehmen.
„Komsomolskaja Prawda“: Und niemand weiß, woher diese Fotos stammen?
Bashar Al-Assad: Nein, sie überprüfen nichts. Es ist ihnen nicht wichtig. Im Internet kann man fast alles finden. Aber man kann die Echtheit nicht bestätigen. Man schaut es sich an, hat viele Emotionen, da das Bild aus Syrien ist immer schwarz-weiß ist. Gute Menschen gegen schlechte Armee oder schlechten Bashar Al-Assad. Es ist das einzige Bild, das der Westen für die Bearbeitung der öffentlichen Meinung will. Um jeder Druck auf uns zu rechtfertigen. Sie unterstützen ein angeblich gutes syrisches Volk gegen seine angeblich schlechte Regierung. Sie kennen diese Propaganda.
„Komsomolskaja Prawda“: Was gibt Syrien die Befreiung von Aleppo aus strategischer Sicht?
Bashar Al-Assad: Wir nennen Aleppo einen Zwilling von Damaskus aus verschiedenen Gründen. Es ist die zweitgrößte Stadt Syriens. Damaskus ist die politische Hauptstadt und Aleppo ist die wirtschaftliche Hauptstadt.
„Komsomolskaja Prawda“: Dort existiert keine Industrie mehr. Ich war dort. Alles ist zerstört.

Bashar Al-Assad: Es ist leider wahr. Fast alle Industriewerke von Aleppo sind nicht in Ordnung. Sie sind demontiert und in die Türkei transportiert.
„Komsomolskaja Prawda“: Aber wenn sie Aleppo zurückerobern, was ändert sich im Krieg?
Bashar Al-Assad: Erstens ist es ein politischer Sieg auf strategischer Ebene und nationaler Ebene. Aus militärischen Sicht sind wir noch nicht in der Lage Al-Nusra zu isolieren. Aber es wird ein Sprungbrett sein für den Einsatz in Richtung der anderen Städte und deren Befreiung von Terroristen. Das ist die Bedeutung von Aleppo.
„Komsomolskaja Prawda“: Was ist der nächste Schritt? Wie können Sie die Kommunikationswege zwischen der Türkei und Idlib abschneiden? Denn dies ist die Hauptquelle der Versorgung mit Geld, Waffen und Kämpfern.
Bashar Al-Assad: Das ist unmöglich, weil Idlib liegt direkt an der türkischen Grenze. Also man kann ihn nicht abschneiden, wir müssen es komplett von den Terroristen befreien. Wir müssen eine weitere Säuberung dieser Region durchführen, die Terroristen in die Türkei zurück schicken, wieder dorthin, woher sie kamen. Oder sie physisch beseitigen. Wir haben keine andere Wahl. Und Aleppo wird ein Sprungbrett sein, zu um diese Bewegung starten.
„Komsomolskaja Prawda“: Wie viel etwa von Söldnern überquerten die syrische Grenze in den letzten fünf Jahren?


Bashar Al-Assad: Niemand kann sie zählen, weil es keine vollständige Kontrolle über die Grenze gibt. Sie überqueren sie unregelmäßig. Aber es ist eine Schätzung, die ein deutsches Zentrum zur Untersuchung veröffentlichte. Es wurde die Zahl Hunderttausende genannt.
„Komsomolskaja Prawda“: Hunderttausende?
Bashar Al-Assad: Ja, mehr als Dreihunderttausend. Und ich weiß nicht…
„Komsomolskaja Prawda“: Mehr als Dreihunderttausend?!
Bashar Al-Assad: Ich weiß nicht, ob es korrekte Zahlen sind. Aber wenn es sogar 100.000 sind, dann ist das eine ganze Armee. Und aus diesem Grund kämpfen wir gegen sie, aber sie kommen von außen noch immer mehr und mehr. Hier sprechen wir über Hunderttausend, die aus verschiedenen Regionen der Welt kommen. Und das ist die Realität. Es gibt Hunderte von Tausenden von Terroristen in der Welt mit der gleichen wahhabitischen Ideologie. Das ist keine Übertreibung.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich traf mich mit der Opposition im Jahr 2012 in Istanbul, die damals erklärten, dass sie Menschenrechte brauchen. Es waren normale Leute ohne Bart und sie tranken Bier im Ramadan. Ein paar Jahre später wurden sie zu Radikalen… Also wer ist der Führer von ISIS?! Es sind Offiziere und Generale der ehemaligen Armee Saddam Husseins. Sie waren doch auch normale Menschen. Wie verwandelten sie sich in eine Armee von Fanatikern?
Bashar Al-Assad: Dies bezieht sich teilweise auf die Okkupation des Irak im Jahr 2003. Als die Amerikaner den Irak vollumfänglich besetzten, einschließlich der Gefängnisse. Und der Führer des ISIS und seine Clique saßen zu dieser Zeit dort im Gefängnis ein. Der ISIS wurde im Irak und unter amerikanischer Aufsicht geschaffen.
„Komsomolskaja Prawda“: Kann es sein, dass in diesem Zeitraum nicht der ISIS, sondern Al-Qaida  entstand?
Bashar Al-Assad: Im weiteren Sinne ja, aber das Konstrukt dort hatte von Anfang an den Namen „Islamischer Staat Irak“.
„Komsomolskaja Prawda“: Bereits im Jahr 2006? Der IS existierte bereits im Jahre 2006?
Bashar Al-Assad: Natürlich. Bis zum Rückzug der Amerikaner. So die Amerikaner direkt oder indirekt eine Rolle bei der Schaffung des ISIS spielten. Als die Terroristen nach Syrien gekommen sind, nannte sie damals niemand „Al-Nusra“ oder „ISIS“. Man nannte sie einfach „Freie Syrische Armee“, eine angeblich säkulare Kraft, Kämpfer gegen die Regierung und die Armee. Aber in der Realität, wenn wir uns im Internet umschauen, sehen wir die Enthauptung von Menschen schon damals von den ersten Wochen an. Also, von Anfang an war es eine radikale Bewegung, aber sie nannten sich die „Freie Armee“. Als es jedoch zu wachsen begann und es unmöglich war, die wiederholten Verbrechen der Enthauptungen zu verbergen, war der Westen gezwungen, die Existenz einer „Al-Nusra“ zugeben.
Aber eigentlich ist es auch die „Freie Syrische Armee“. Und auch das ist der ISIS. Sie haben die gleichen Wurzeln und bewegen sich aus verschiedenen Gründen von einer Zone in die andere. Die Hauptursache ihres Handelns ist ihre wahhabitische  Ideologie, der zweite Grund ist die Angst. Dass wenn sie sich nicht bewegen, entwickeln und stärker würden, man sie beseitigen können würde. Der dritte Grund – das Geld. Zum Beispiel zahlte vor zwei Jahren der ISIS die höchsten aller Solde. Deswegen sind viele von der „Freien Syrischen Armee“ und der „Al-Nusra“ dem „ISIS“ beigetreten, schlicht und ergreifend wegen des Geldes. Also, es gibt viele Faktoren, aber die primären…
„Komsomolskaja Prawda“: … das ist der Fanatismus?
Bashar Al-Assad: Ihr Extremismus ist das einigende Merkmal aller dieser Organisationen mit ihren unterschiedlichen und wechselnden Namen.
„Komsomolskaja Prawda“: Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen? Im Jahr 2013, als Ihr eigenes Leben in großer Gefahr war, als Amerika nahe der Entscheidung war, Syrien zu bombardieren, warum haben Sie da nicht Ihre Familie an einen sicheren Ort geschickt?
Bashar Al-Assad: Wie können wir die Syrer davon überzeugen in Ihrem Land zu bleiben, wenn ich meine  Familie versteckt hätte? Das ist nicht möglich. Du musst der erste Patriot im Land sein. Du musst der erste Patriot als Präsident sein. Und deine Familie, und deine Regierung und deine Umgebung müssen standhaft sein. Du kannst nicht die Menschen davon überzeugen, dass du es schaffst, dieses Land zu schützen, wenn du nicht deiner Armee vertraust deine Familie zu schützen.
„Komsomolskaja Prawda“: Ich verstehe, ich verstehe…
Bashar Al-Assad: Das war damals ganz natürlich. Ich habe nie darüber nachgedacht, meine Familie wegzuschicken.
„Komsomolskaja Prawda“: Vielen Dank für das Interview.
Bashar Al-Assad: Danke, dass Sie nach Syrien gekommen sind.
Quelle: www.kp.ru – Übersetzung: fit4Russland

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Wer wirklich alles gelesen hat versteht schon etwas mehr zur Problematik. Aber ob wirklich alle Antworten in dieser Art von ASSAD selbst kommen bezweifle ich. Jedoch gefällt mir in diversen Sichtweisen zu wühlen...

lg wolf