Sonntag, 27. Oktober 2019

„Soziale Dreigliederung“ - ich habe es dreimal gelesen, um es einmal zu verstehen. Das hat was.. Das sollten wir leben lernen im Wandel der Zeit.










_________________



Die Welt ist voller Krisen und Herausforderungen, die es der Menschheit nicht leicht machen, einen guten Weg für uns alle zu gehen. Es gibt unzählige Probleme, die mittlerweile die Menschen ernsthaft bedrohen und Zukunftsängste hervorrufen. Ihre Lösung, ist oft in Widersprüchen und unlösbaren Interessenskonflikten gefangen und kann dadurch nicht in ihrer Ernsthaftigkeit und Reichweite angegangen werden. 


Doch gibt es eine Lösung, die bis jetzt noch nicht ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt ist. Dieser Lösungsimpuls ist bereits 100 Jahre alt. Eine Idee, die auf ihre Zeit wartet!

Durch die nunmehr entstandene politische Situation ist ein Freiraum gegeben, der die Chance bietet, vieles neu zu ergreifen. Ein solcher neuer Lösungsansatz ist die „Soziale Dreigliederung“, auf die ich in diesem Schreiben aufmerksam machen möchte!

Sie stellt von allen mir bekannten Ideen als einzige ein neues System dar, das ich in all seinen Gebieten bejahen und vertreten kann. 


So sehr bejahen kann, dass ich mich dafür entschieden habe, so gut ich es aus meiner Lebenslage heraus kann, mich für die Verbreitung dieser Idee einzusetzen. In ihrer Verwirklichung sehe ich eine Zukunft, die ich meinen Kindern und weit darüber hinaus allen Menschen getrost als Erbe weitergeben will. Es ist die Grundlage für Frieden und Gemeinschaftsgeist einer Menschenfamilie. 


Aus der mir erkennbaren Sicht schlummert hier ein unentdecktes, riesengroßes Potential. Jedem, der sich ernsthaft und vorurteilslos diesem Gedankengut nähern kann, erschließt sich ein Bild, das als Lösung der Verstrickungen die Menschheit vereint. Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg und ein Zeitfenster öffnete sich. 


Rudolf Steiner setzte all seine Kraft daran, den Impuls zur Dreigliederung des sozialen Organismus 

(kurz: Soziale Dreigliederung) 

in die Welt zu tragen, um dadurch einen weiteren Schritt in der Menschheitsentwicklung zu ermöglichen. In Deutschland und auch in Österreich wurden diese neuen Ansätze bis in die damalige politische Führungsebene hinaufgetragen. 

Ein Durchbruch dieser Idee schlug allerdings letzten Endes fehl, da die Gegenkräfte, die großes Interesse daran hatten, am Alten festzuhalten, sich mächtig behaupteten. Den geschichtlichen weiteren Verlauf kennen wir: An Stelle einer stabilen Neugestaltung kam nach dem Ersten Weltkrieg der Zweite Weltkrieg. 


Aber auch nach dieser zweiten furchtbaren Katastrophe kam es nicht zur Lösung der in der Wirtschaft wurzelnden Probleme; denn die neu auftretende Forderung: „Wie müssen wir in einer industrialisierten und arbeitsteiligen Welt die Arbeitsergebnisse gegenseitig bewerten, damit jeder gut leben kann?“ wurde nicht erkannt und daher auch nicht umgesetzt.

Im alten Geld- und Wirtschaftsdenken ist dies eine unlösbare Frage und mit jeder versuchten Lösung schaffen wir neue Probleme: Wachstumszwang, Arbeitslosigkeit und damit Einkommenslosigkeit, Konkurrenzkampf, Verschleißwirtschaft, ….

Diese Verschleierung besteht vor allem im Geldsystem und im Rechtsleben und zögert eine wirkliche Lösung bis heute hinaus. Dieses Versäumnis beginnt sich heute global erkennbar zu rächen.
 


Rudolf Steiner begründete schon damals eine neue Wirtschaftslehre und hat damit die Grundlage für ein solidarisch geschwisterliches Wirtschaften gelegt, in dem die Menschengemeinschaft von einem Gemeinschaftsgeist durchdrungen sein kann. Außerdem ist darin die Frage des Ausgleiches zwischen Bedürfnissen und Wert der Leistungen enthalten. 


Die Idee dieses Ausgleichs wurde später von Alexander Caspar bis ins Geldwesen hinein aufgegriffen und gestaltet (Autor des Buches „Das neue Geld“ 2010).  Mit dem Durchdringen dieser Zusammenhänge löste er die gestellte Forderung. 


Damitist ein brüderlich geschwisterliches Wirtschaften möglich!
Unnötiger Wettbewerb, wirtschaftlicher Wachstumszwang bis ins Krankhafte und Maßlose, Verschleißwirtschaft, die die wertvollen Ressourcen unserer Erde zu Müll machen, gesamtgesellschaftlich sinnlose Arbeit, die niemandem wirklich dient, …. All das verliert seine diktierende Macht. 


Der Menschengemeinschaft wird ermöglicht, in kluger kräfte- und ressourcenschonender Zusammenarbeit das Beste für Jeden zu erreichen. Keiner bleibt dabei auf der Strecke, denn Bedürfnis und Wert der Leistung finden ihre Deckung.

Die Inhalte der Sozialen Dreigliederung sind heute noch genauso wegbereitend und gestaltgebend für die soziale Ordnung, wie sie damals in ihrer Verwirklichung segenbringend hätten wirken können.
 


Heute haben wir neben der sozialen und wirtschaftlichen Krise noch eine Vielzahl anderer Krisen, in denen die Soziale Dreigliederung maßgebend Veränderung bewirken kann: Klimawandel, wachsende Schere von Arm-Reich, Ressourcenvernichtung, Flüchtlingskrise, Gesundheitskrise, Bildungskrise, Ökologiekrise, Finanzkrise, Arbeitslosigkeit, Politikverdrossenheit, Hetze, Krieg,…. 

Dies zeigt, dass unsere Art zu denken, unsere heute installierten Systeme ausgedient haben, da sie unbrauchbar geworden sind und zunehmend zerstörerische Dimensionen annehmen.
 


Die Menschheitsgeschichte lehrt, dass in ihrem Verlauf immer wieder große Umbrüche notwendig waren und sich auch vollzogen haben.



In aller Kürze möchte ich hier erste Inhalte der Sozialen Dreigliederung darlegen:
 

In der Sozialen Dreigliederung gibt es keinen Einheitsstaat mit zentraler Steuerung. Der Staat wird in drei autonome Bereiche – in Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben gegliedert.


Rudolf Steiner formuliert dazu den Vergleich mit dem menschlichen Organismus, der auch drei Systeme hat, die für sich relativ unabhängig sind und in ihrer Unabhängigkeit eine größere Einheit, ein höheres Ganzes (das menschliche Leben) hervorbringen. Es ist eine Entwicklung hin zur menschengemäßen Ordnung, die dem menschlichen Sein umfassend gerecht wird:



1. Wirtschaftsleben (in Brüderlichkeit) – 

2. Rechtsleben (in Gleichheit) – 

3. Geistesleben (in Freiheit)


Heute haben wir ein Wirtschaftssystem, das unsozial ist und ein Rechtssystem, das die Menschen ungleich behandelt und Sonderinteressen vor allgemeine menschliche Interessen stellt. Wir haben einen Bildungs- und Arbeitsmarkt, der den Menschen zur Ware macht, um im Wirtschaftssystem zu funktionieren. All das bedrückt uns und macht uns krank, denn nicht jeder hat die Möglichkeit, sein Leben so einzurichten, dass ihn diese Dinge nicht auf irgendeine Weise negativ beeinflussen.
 


Unbewusster Druck wirkt als Leid und dieses Leid versuchen viele Menschen auf unterschiedlichster  Art zu kompensieren. Nicht selten löst dieses Leid auch körperliche oder seelische Krankheiten aus.



Die soziale Gliederung fordert drei autonome Bereiche, die abbilden, was dem Mensch-Sein heute angemessen ist



1. Der Bereich des Wirtschaftslebens


In einer arbeitsteiligen Welt ist ein brüderliches (geschwisterliches) Wirtschaftsleben einzurichten, welches die materiellen Bedürfnisse des Menschen vor Augen hat.


In dem Moment, in dem wir die Bedürfnisse unserer Mitmenschen vor Augen haben und uns vom ausgedienten Geld- und Rechtssystem verabschieden, können wir ein gemeinsames Anliegen als Menschen (unsere materiellen Bedürfnisse bestmöglich zu decken) verfolgen.


In einem neu gestalteten Geldsystem, in dem nur Waren zirkulieren dürfen, aber keine Rechte handelbar sind, ist einer der nötigen Grundsteine gelegt. Mit dem Erkennen, wie wirtschaftliche Werte überhaupt geschaffen werden, kann das Wirtschaftsleben neu betrachtet werden. 


Dabei muss beachtet werden, dass es in der Wertebildung um zwei verschiedene, sich gegenseitig kompensierende Bereiche geht. Der Reichtum eines Landes kann nicht anhand des Bruttoinlandsproduktes gemessen werden, da die kompensierenden Bereiche darin keine Berücksichtigung finden. Es darf nicht wie heute alles addiert werden, die gebildeten wirtschaftlichen Werte gegenseitig richtig zu bewerten wird dadurch unmöglich, davon abgesehen wird etwas Aufzehrendes auch noch hinzugezählt. 


Das Wirtschaftsleben umfasst Warenproduktion, Warenhandel und Warenkonsum.
 


Ökonomische Ministerien mit Leuten, die etwas von den einzelnen Branchen verstehen, sind hier einzurichten. Es geht um gerechte Güterverteilung in einem richtigen Wertverhältnis der Waren durch Umgestaltung des gegenwärtigen Kapital- und Lohnsystems. 


Das Wirtschaftsleben muss durch eine vereinigende Basis aufgebaut werden und sich an rein ökonomischen Gesichtspunkten, an den Bedürfnissen, ausrichten. Alle wirtschaftliche Tätigkeit im neuen Modell ist assoziativ (verbindend, vereinigend, durch Verknüpfung von Vorstellungen entstehend)


Die untergeordnete Assoziation ist die der einzelnen Branchen mit dem Ziel, die Bedürfnisse zu decken. Die übergeordnete Assoziation ist die der Verbindung von Produzenten, Händlern und Konsumenten.
 


Ziel ist ein gutes bedürfnisorientiertes Zusammenwirken. Hier gilt überall die vertragliche Bindung. Die Assoziation ist ein eigenes Thema, das in der Literatur oft ganz missverstanden ist. Es geht nicht darum, sich zusammenzuschließen, um Vorteile gegenüber anderen zu haben, sondern darum konsequent miteinander zu arbeiten.



Grundsatz: Es darf nicht produziert werden, um zu profitieren, sondern nur um den Bedürfnissen gerecht zu werden. Niemand braucht sein Wohl auf Kosten von Anderen zu suchen. Waren und Rechte sind zwei völlig getrennte Dinge. Das eine gehört ins Wirtschaftsleben, das andere ins Rechtsleben.


2. Der Bereich des Rechtslebens


Das Rechtsleben, der zweite autonome Bereich, steht unter dem Gesichtspunkt der Gleichheit der Menschen. 


Das hierarchische System ist dabei aufgehoben. 


Hier geht es um die Umsetzung der Menschenrechte. 


Der Staat begrenzt sich auf seine eigentliche Aufgabe, dass die demokratisch beschlossenen Gesetze gerecht gewährleistet werden.
 



Als Beispiel wird das Ausmaß der Arbeitszeit im Rechtsleben demokratisch vereinbart, da das Arbeitsausmaß neben der Grundlage der Bodenfruchtbarkeit die Parameter für den Wohlstand einer Gesellschaft sind. Verfügungsrechte verbinden sich mit Fähigkeiten und das auf Zeit. 


Kapital muss zu den fähigen Menschen gelangen können (kein Kauf). 


Weder Boden noch Produktionsmittel sind mit Geld handelbare Waren, es sind Rechte, die sich auf Zeit mit den Pflichten von fähigen Menschen verbinden können müssen. Wohl kann in diesem Bereich auch vererbt werden, Voraussetzung dafür ist, dass der Nachfolger sich mit der vorhandenen Idee, ihrem Recht und ihrer Pflicht verbindet. Eine monetäre Veräußerung ist unmöglich.

3. Der Bereich des Geisteslebens


Dieser dritte autonome Bereich, das freie Geistesleben, bildet das Gegenüber zu den leiblichen Bedürfnissen im Wirtschaftsleben.
Durch freie Fähigkeiten-Entwicklung wird der Mensch frei im Geist. Freiheit setzt selbstbestimmtes Handeln voraus. Ist es nicht selbstbestimmt, so ist es fremdbestimmt und
somit auch nicht frei. 



Durch die Selbstbestimmung macht sich der Mensch zum selbstverantwortlichen Souverän


Wer selbstbestimmt handelt, muss seine Handlungen selbst verantworten, da er sein eigener Souverän ist, der sich auf keine fremde Autorität beruft. Er hat sein Motiv, den Beweggrund seines Handelns nur aus sich selbst geschöpft. 


Das aber bedeutet, dass meine Freiheit nicht bei mir endet, sondern dass mir die Freiheit des Anderen genauso wichtig ist wie die Eigene. Da erst beweist sich meine wahre Souveränität, indem ich die Freiheit des Anderen wirklich als die Meine empfinde.
 


Wir alle brauchen die Freiheit im Geistigen und in der Entwicklung unserer einzigartigen Begabungen, auf die die Welt wartet. Wir würden erstaunt sein welche Vielfalt da zutage treten würde.


Aller wissenschaftlicher Betrieb, die Bildung und das Unterrichtswesen, das individuelle religiöse Leben sowie die Rechtsprechung gehören in diesen Bereich. 


Das Geistesleben wird in ganz anderen Strukturen verlaufen, in etwas viel Freierem als einem Ministerium oder Parlament. Die Individualität steht hier im Mittelpunkt. Durch die Verwirklichung dieses Impulses, der Sozialen Dreigliederung wird der Mensch zum wahren Menschen, denn es entsteht eine höhere Einheit:



a) Durch körperliche und seelische Gesundung wird höchste wirtschaftliche Produktivität
ermöglicht.


 

b) Es kommt zur wahren Befriedigung des Rechtsgefühls.

 

c) Eine allseitige Offenbarung, der im Geiste veranlagten Kräfte der Menschen, wird möglich.




Von Österreich ausgehend könnte etwas fundamental Neues, segenbringend sich ausbreiten
 

Gutes ist von jeher nur dort gediehen, wo Menschen von einem Gemeinschaftssinn erfüllt waren.


Selbst in der Natur gedeiht das am besten, was sich gegenseitig stützt.
Es ist mir ein großes Anliegen, dass gesehen und wahrgenommen wird, was als Lösung schon da ist!


Die Dringlichkeit unserer Zeit macht mir Mut für ungewöhnliche Schritte. Heute schon möchte ich versuchen, einen Neuanfang zu initiieren!


Ziel ist es, dass wir einen Weg aus unseren Krisen finden. Dazu ist es notwendig, Altes, das unbrauchbar geworden ist, mit neuem Denken zu überwinden.
Die Idee der Sozialen Dreigliederung ist dem Großteil der Bürger derzeit noch unbekannt.


Mit der gewonnenen Erkenntnis der Zusammenhänge und beim Versuch ihrer Bekanntmachung steht jeder zunächst ziemlich ohnmächtig da; denn Soziale Dreigliederung kann auch kein Partei-Programm sein. So könnte ein Neuanfang nur mit der Frage beginnen, wie mit der Verwirklichung des Impulses der 


„Sozialen Dreigliederung“ 

begonnen werden könnte?

Ich bitte alle Leser dieses Anliegen zu unterstützen. Vielleicht ist es möglich, mit Ihnen in einen Dialog über die Soziale Dreigliederung einzutreten.



In Wertschätzung
Irmgard Stadler (Demeterlandwirtin)
 


(Dieser Beitrag ist mit Unterstützung von Elisabeth Correa, Maria Tempelmayr, Karin Seidling, Uta Klaus und Sylvia Heinzl entstanden).

________________________________________________


                                                          

*


Bringt uns Licht ins Haus




<
<
<
<
<
<
<
<