Dienstag, 4. August 2020

Katastrophe: bricht Chinas riesiger Drei-Schluchten-Damm?



Brigitte Hamann

Katastrophenalarm: Bricht Chinas riesiger Drei-Schluchten-Damm?

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So ernst war es noch nie. Seit Baubeginn Ende 1994 warf das bisher weltweit ehrgeizigste Bauprojekt am Jangtsekiang mehr Probleme auf als Lösungen. Doch in diesem Jahr ist der Monsun besonders heftig. Extreme Regenfälle fluten den Stausee mit so große Wassermassen, dass der Damm sich verformt hat. Auf Satellitenbildern ist deutlich zu sehen: aus der einst geraden  Wand ist eine Wellenlinie geworden. Stehen wir vor einer Katastrophe? Experten fürchten, dass der Damm nicht länger standhalten kann. Wenn er bricht sterben Millionen Menschen und fast die gesamte Produktion Chinas würde ausgelöscht. Das enorme Gewicht der rasend strömenden Wassermassen würde sogar die Erdachse vibrieren lassen, so heißt es.



Ein Bauwerk der Megadimensionen


Mit 185 Metern Höhe und 2309 Metern Länge zählt der Drei-Schluchten-Damm zu den größten Bauwerken der Welt. Sein Wasserweg führt durch drei spektakuläre Schluchten: die Xiling-Schlucht, mit 76 Kilometern die längste der drei Schluchten. Wegen ihrer Stromschnellen und Untiefen ist sie als besonders tückisch bekannt. Die 44 km lange Wu-Schlucht ist voller eigentümlicher Zickzack-Wendungen und wird von 12 Gipfeln mit einer Höhe zwischen 800 und 1200 Metern Höhe eingerahmt, was ihr den Namen »Hexenschlucht« einbrachte.


Die Qutang-Schlucht oder »Blasebalgschlucht« ist nur 8 km lang und weitet sich selbst an der breitesten Stelle auf nur 150 m. Zu beiden Seiten ragen bis zu 1200 m hohe Gipfel auf, wodurch der Eindruck vermittelt wird, man würde in einem Blasebalg stecken. Mit 600 km Länge ist der Stausee selbst ebenso grandios in seinen Ausmaßen. Für den riesigen Bau wurden mehr als 1,2 Millionen Menschen zwangsweise umgesiedelt. Zahlreiche Städte, Dörfer und weite Landstriche wurden geflutet.


Das größte Wasserkraftwerk der Erde


Mit einer Generatorleistung von 22,5 Gigawatt ist der Drei-Schluchten-Damm die größte Talsperre der Erde. Sie produziert rund 75 Prozent des chinesischen Energiebedarfs. Es gibt längere und höhere Talsperren und größere Stauseen, aber keine kann mit einer vergleichbaren Leistung aufwarten. Die Talsperre liegt in Sandouping,  38 km flussaufwärts von Yichang in der Provinz Hubei.


Obwohl die Erbauer der Meinung waren, der Damm würde 10000 Jahre lang allem und jedem standhalten, gab es von Anfang an viele Kritiker. Fragen wie »Was würde bei einem Erdbeben passieren?« oder »Was geschieht, wenn der Damm bricht?« blieben unbeantwortet. Im Falle eines Krieges wäre der Drei-Schluchten-Damm das erste Ziel.


Regenmassen und Rekordwerte am Drei-Schluchten-Damm


Jedes Jahr sorgt der Monsun für weitläufige Überschwemmungen, die, so hofften die Erbauer, durch den Damm kanalisiert werden könnten. Doch diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. In diesem Jahr lässt der extreme Monsun den Wasserpegel besonders stark ansteigen. Nach Einschätzungen von Experten sind die Überschwemmungen diesmal die schlimmsten in 49 Jahren.  Um den Wasserdruck auf den Damm zu verringern wurden die drei großen Überlauf-Schleusen des Damms geöffnet, trotzdem hat der Wasserstand im Stausee Rekordwerte erreicht. Am 19. Juli 2020 betrug  er nach Angabe der Drei-Schluchten-Corporation 164,18 Meter, höher als je zuvor. Die maximale Füllkraft  des Sees liegt bei 175 Metern.


Das Ausmaß der Deformation ist erschreckend


Beton hält unglaublich viel Druck aus, aber er ist kaum dehnbar. Um die Dehnfestigkeit von Betonbauten zu erhöhen, setzen die Ingenieure Stahl ein. Mit der richtigen Stahlqualität und -menge wäre der Damm vermutlich stabiler, aber es sieht danach aus, dass nicht die richtige Qualität oder nicht genügend Stahl verwendet wurde.



Was geschieht wenn der Damm bricht?


Wenn der Damm vollständig bricht werden mehr als 10 Milliarden Stauseewasser innerhalb kürzester Zeit freigesetzt. Die Wassermassen ergießen sich über die Provinz Hubei und die Städte Yichang, Shashi, Jingzhou und Wuhan. Die  Gezhouba-Talsperre, ein Jantsekiang-Wasserkraftwerk bei Yichang, würde weggespült. Die maximale Fließgeschwindigkeit bei einem vollständigen Dammbruch beträgt  2.370000 Kubikmeter pro Sekunde. Die Wassermassen treffen mit 100 Stundenkilometern auf die Gezhouba-Talsperre Vier bis fünf Stunden nach dem Dammbruch erreicht der Wasserpegel  über Yichang 64-71 Meter.


1998 betrug die maximale Fließgeschwindigkeit des Jangtsekiang 60.000 Kubikmeter pro Sekunde. Diesmal wären es 37 Mal mehr Wasser und die Fließgeschwindigkeit würde 100 Stundenkilometer betragen. Yichang liegt etwa 50 Meter unter dem Meeresspiegel. Das bedeutet, dass die Stadt bei einem Wasserstand von 64-71 Metern 20 Meter unter dem Meeresspiegel liegen würde. An Flucht ist nicht zu denken, denn dieser Wasserpegel wäre in Yichang bereits eine halbe Stunde nach einem Dammbruch erreicht. Überflutet würde nicht nur Yichang, sondern auch Shashi, die Ebene von Jianghan, Wuhan, Peking und Guangzhou. Die Peking-Kowloon-Eisenbahntrasse würde weggespült, und schließlich würden die Fluten Nanjing erreichen. Nach 10 Stunden wäre Wuhan überflutet, Nanjing nach einem Tag. Allein in Yichang würden 500000 Menschen sterben.


Chinas Herzschlagader


Mit 38 Prozent der gesamten Wasservorräte Chinas. 25 Prozent des Ackerlandes, 40 Prozent des Getreidebaus, 33 Prozent der Baumwolle und 66 Prozent des Vorkommens an Süßwasserfischen sowie 350 Million Menschen ist das Tal des Jangtsekiang Chinas Herzschlag.


Gemäß einer Studie von Yang Lang, einem Militärsprecher, nimmt der Drei-Schluchten-Damm außerdem eine sehr kritische und empfindliche Position in der Verteidigungslinie Chinas ein. Ein Dammbruch hätte verheerende Folgen für Chinas Abwehr. Das Gebiet flussabwärts ist Chinas strategische Schlagader. Dort befinden sich  45 Prozent der chinesischen Armee, 20 Prozent der Panzerdivisionen, 38 Prozent der Infanterie und 100 Prozent der Luftwaffe.

Ein Dammbruch würde Chinas Armee auslöschen und einen wirtschaftlichen Ruin bedeuten.


Dienstag, 04.08.2020



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